Das Fahrwerk © by Charly Aegerter
Einleitung
Seit
mehr als 15 Jahren befasse ich mich mit dem Thema Fahrwerk.
Ein Begriff mit sieben Siegeln für jeden der sich mit dem Fahrverhalten
eines Fahrzeuges einmal auseinander gesetzt hat. Mit dieser Veröffentlichung
versuche ich einen Einblick in dieses Thema zu vermitteln und beschreibe die
Problematik sehr oberflächlich. Tips und Hinweise sollen helfen Mängel
zu erkennen und das Fahrzeug auf einfache Weise zu verbessern.
Dieser Beitrag soll technisch Interessierten die Möglichkeit geben, das
persönliche Fachwissen im Bereich Fahrwerk zu vertiefen. Bewusst beschränken
sich meine Ausführungen in diesem Teil auf Tourenwagen, da die Basis dieser
Fahrzeuge immer ehemalige Strassenfahrzeuge waren.
Der Grund meiner Mühe diese Zeilen zu schreiben ist einfach: Echte Hilfe
in diesem Bereich ist selten zu finden und wer denkt einen Spezialisten zu kennen,
der bekommt lediglich markenspezifische Erfahrungswerte vorgesetzt
für teures Geld aber ohne Erfolgsgarantie! Ein wirklich gutes Fahrwerk
muss selbst erarbeitet werden.
Charly Aegerter
Allgemeines
Das Angebot von Fahrwerkskomponenten ist gross und es gibt viele Anbieter von Fahrwerksfedern, Stossdämpfer oder kompletten Umbausätzen. Leider sind nützliche Hinweise in diesem Bereich Mangelware und der Leidtragende ist schlussendlich der Pilot. Je grösser die Auswahl ist, desto schwieriger wird es, das passende Fahrwerk für sein Auto zu finden. Jedes Angebot ist Marken/Modell spezifisch sortiert und genau hier möchte ich vor Übermut warnen, denn Feder und Dämpfer sind nur ein Teil des Fahrwerkes. Wagt man den Schritt in den Bereich Motorsport, dann stossen die meisten Schrauber an ihre Grenzen. Der Kauf eines Fertigfahrwerkes lassen die Erwartungen hochschnellen und nach den ersten Testfahrten ist die Ernüchterung umso grösser. Die Gründe dafür sind einleuchtend:
a)
jedes Fahrzeug verhält sich unterschiedlich
b) die persönlichen Erwartungen an ein Fahrwerk sind individuell
c) die Bereifung beeinflusst das Fahrverhalten massgeblich
d) der persönliche Fahrstil muss bei der Auswahl mit einbezogen werden
Diese Aufzählung ist längst nicht abschliessend doch dies scheinen mir die wichtigsten Gründe. Ein gut funktionierendes Fahrwerk sollte folgende Anforderungen weitgehend erfüllen:
-
hohe Kurvengeschwindigkeit
- gut kontrollierbare Fahreigenschaften im Grenzbereich
- sicheres Verhalten bei Wechselkurven (Wedeln)
- ausreichende Richtungsstabilität bei hoher Geschwindigkeit
- ausreichende Unempfindlichkeit bei Seitenwind
Maximale
Kurvengeschwindigkeit
Verantwortliche konstruktive Faktoren:
-
Schwerpunkthöhe
- Spurweite und Radstand
- Gewichtsverteilung (Achslasten)
- Art der Radaufhängung
Richtungsstabilität
- Gewichtsverteilung (Achslasten)
- Radführungselemente (Gummilager)
- Karosserieform
Nachfolgend möchte ich einige Tips oder Hinweise geben, wie einem unangenehmen Fahrverhalten zu Leibe gerückt werden kann. Ich bitte zu bedenken, dass mehrere gleichzeitig ausgeführte Anpassungen möglicherweise zu einem negativen Ergebnis führen können! Gleichzeitig möchte ich nochmals darauf hinweisen, dass ein gut funktionierendes Fahrwerk nicht aus der Schublade genommen werden kann. Bei der Anpassung sind viel Geduld, Einfühlungsvermögen und ein solides Fachwissen gefragt und somit wird klar, dass ein gutes Fahrwerk nicht billig ist!
Der Begriff Eigenlenkverhalten
(Übersteuern, Untersteuern, neutrales Fahrverhalten)
Der Schräglaufwinkel (auch Schlupf genannt) gibt Auskunft über die Seitenführungskraft.
-
Die Seitenführungskraft nimmt mit wachsendem Schräglaufwinkel zu.
- Die Seitenführungskraft (inkl. Schräglaufwinkel) steigt mit wachsender
Reifenbelastung.
Wird der Schräglaufwinkel zu gross, dann geht die Haftreibung in Gleitreibung über und die entsprechende Fahrzeugachse bricht aus.
Durch Anwendung nachfolgend aufgeführten Möglichkeiten, lässt sich unerwünschtes Eigenlenkverhalten mildern oder beseitigen:
Dem Übersteuern wird Abhilfe geschaffen durch:
-
Reifendruck hinten erhöhen
- breitere Felgen oder Reifen hinten
- negativer Radsturz hinten oder diesen erhöhen (maximal 3°)
- breitere Spur hinten
- Stabilisator vorn einbauen oder bestehenden verstärken
- härtere Dämpfung (Druckstufe!) vorne oder Federrate erhöhen
Dem Untersteuern wird Abhilfe geschaffen durch:
-
Reifendruck vorne erhöhen
- breitere Felgen oder Reifen vorne
- negativer Radsturz vorne oder diesen erhöhen (maximal 2°)
- breitere Spur vorne
- Stabilisator hinten einbauen oder bestehenden verstärken
- härtere Dämpfung (Druckstufe!) hinten oder Federrate erhöhen
Für weitere Fragen stehe ich gerne zur Verfügung unter charly.aegerter@hispeed.ch