Die
Technik alt, die Faszination gross
Am 2. Hittnauer
Oldtimer-Classic waren nostalgische Maschinen am Boden und in
der Luft unterwegs

Drei der am
Oldtimer-Classic teilnehmenden Rennwagen in voller Fahrt
ausgangs Hasel. Nach der Nachfolgenden Kurve konnte mit Vollgas
gefahren werden, hier Charly Aegerter auf NSU TT
In der Schweiz muss
es eine grosse Zahl von Oldtimersammlern geben. Nur so lässt
sich der grosse Erfolg des 2. Hittnauer Oldtimer-Classic erklären,
das am Sonntag leicht vom Regen beeinträchtigt wurde. Motorräder,
Autos, Rennwagen und Flugzeuge: Damit protzt man nicht, sondern
freut sich daran und freut sich, das gepflegte Stück auch
anderen zu zeigen.
Genau um 8.30 Uhr am
Samstag hatte Fritz Fahrni mit seiner restaurierten Sipa 903,
Jahrgang 1951, den Flugplatz Hittnau für zwei Tage wieder
auferstehen lassen. «Ich fühlte mich ins Jahr 1953 zurückversetzt,
als wir den Flugplatz auf der anderen Seite des Baches betrieben
haben», schilderte er seinen Eindruck von der ersten Landung.
Damals sei man aber vom Stoffel her, um das Schulhaus Hasel
herum, angeflogen, was jetzt wegen der Zuschauer nicht möglich
sei.
Bei den herrschenden Windverhältnissen biete die Landung keine
Probleme, obwohl die Piste aus der Luft betrachtet eher kurz
erscheine, da sie in einer Mulde liege. «Ist man aber einmal
gelandet, dann erscheint die Piste wahnsinnig lang.» Am Samstag
stiessen die Oldtimerflugzeuge und ein Helikopter aus der Zeit
kurz vor und bis nach dem Zweiten Weltkrieg auf reges
Zuschauerinteresse.
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Gleich gegenüber dem Flugplatz verlief die 1,6 Kilometer lange
Rennstrecke auf der abgesperrten Tösstal-/Haselstrasse. Dort
konnten die Motorräder, Rennwagen, Autos und Renntrucks rennmässig
demonstriert werden. Nach der Devise «kein Dach, keine
Scheiben, keine Türen» war dort auch Franz Steiner aus Seegräben
unterwegs. Seinen Kitcher-Rover, ein Rennwagen aus den 30er
Jahren, hatte er vor Jahren bei einem Wetziker Garagisten zufällig
entdeckt.
Inzwischen ist das seltene Fahrzeug mit dem Stahlchassis, dem
Holzunterbau und der Aluminimumkarosserie gründlich restauriert
worden. Aber nicht, um im Museum zu vermodern: «Bei schönem
Wetter fahre ich damit auch schon mal zur Arbeit; einen Oldtimer
muss man bewegen.» Dieser hat Jahrgang 1936, 4 Zylinder und
erreicht mit seinem 1500-ccm-Motor eine Spitzengeschwindigkeit
von etwa 140 km/h.
*
Etwas rascher war man im Rennstall von Urban Fässler unterwegs.
Der ehemalige Peter-Sauber-Mitarbeiter restauriert und wartet für
seine Kunden in Hinwil seit 16 Jahren historische Rennwagen bis
zum Jahrgang 1970. «Ich begleite meine Kunden aber auch an die
historischen Formel-1-Europameisterschaften, transportiere ihre
Rennwagen und sorge für deren Service.»
An den Europameisterschaften – sie finden auf den gleichen
Rennstrecken wie die aktuelle Formel 1 statt – können
Rennwagen bis Jahrgang 1965 teilnehmen. Im grossen
Renntransporter von Urban Fässler mit Werkstatt und Wohnung
finden bis zu fünf Rennwagen Platz. So ist der 55-Jährige während
der Rennsaison auf den europäischen Rennstrecken dauernd auf
Achse. Dazwischen kommt er nach Hinwil zurück und behebt die
Schäden an den Fahrzeugen.
*
Spektakulär fielen auch in diesem Jahr die
Demonstrationsfahrten der Renntrucks aus. Es handelt sich um
Lastwagen, die mit ihren 1200 PS bei 160 km/h abgeriegelt werden
müssen. Die Beschleunigung von 0 bis 100 km/h liegt unter 6
Sekunden!
Mario Müller ist Mechaniker und Werksfahrer bei der Larag, die
in Wil SG für den Bau der Mercedes-Super-Renntrucks und den
Service auf allen Rennstrecken veranwortlich ist. Derzeit werden
drei Teams betreut, die sich – ähnlich wie in der Formel 1
– an den Europameisterschaften beteiligen. Diese umfasst zehn
Rennen über eine Distanz von je fünfzig Kilometer. Jeder der
drei Rennställe wird von je einem Mechaniker der Larag betreut.
Mercedes hat sei 1992 fünfmal hintereinander die
Europameisterschaft gewonnen. «Die Rennen sind weniger gefährlich
als jene der Formel 1, aber es ist keineswegs einfach, den Fünftönner
bei 160 km/h auf der Strasse zu halten», meint Mario Müller.
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Die über hundert Rennmotorräder und Werksmaschinen wurden
angeführt vom dreimaligen, legendären Schweizer Weltmeister
Luigi Taveri und zahlreichen anderen Koryphäen. Sie und alle übrigen
Teilnehmer sorgten dafür, dass auch das zweite Hittnauer
Oldtimer-Classic zu einem Erfolg wurde – der Ruf nach einer
weiteren Wiederholung war bereits zu hören.
dieser Bericht stammt
aus dem Zürcher Oberländer vom 28. August 2000, weitere Fotos
sind in Bearbeitung und werden hier verlinkt werden.