Oldtimer-Classic 2012

Bericht by Charly Aegerter

Die Wettervorhersage für das Wochenende vom 1.+2. September war alles andere als ermutigend. Trotz der angekündigten Regenfälle am Samstag, nahm ich die „feuchte“ Reise nach Hittnau unter die Räder. Auf dem Rennplatz angekommen, versiegte der Regen wie von Geisterhand und ich beeilte mich den Renner abzuladen. Bevor sich die Schleusen erneut öffneten, war der Trailer an seinem Platz, das schützende Zelt aufgebaut und mein Rennprinz hat die technische Kontrolle bestanden. Nun hatte ich Zeit genug für einen kurzen Check am Fahrzeug und mich in den Renndress zu schmeissen. Der Besichtigungslauf war für mich Pflicht, denn nur so lernt man die Tücken der Strecke kennen. Alle in meinem Feld gingen die Sache mit Vorsicht an, denn einen Abflug im Besichtigungslauf war nicht das Ziel. Zudem war die Fahrbahn stark verschmutzt und Zuschauer standen nur vereinzelt an der Strecke. Nach ca. 10 Minuten wurde unser Feld mit der schwarz/weiss karierten Flagge beendet und zurück ins Fahrerlager beordert. Im Laufe des Tages wechselte es zwischen leichten und starken Regenfällen und der kalte Wind sorgte dafür, dass es uns nicht zu wohl wurde. Um den Wind etwas abzuhalten, montierte ich an meinem Zelt eine Seitenwand und machte so den Aufenthalt etwas erträglicher. Das nahe gelegene Restaurant hatte alle Hände voll zu tun und unsere Startzeit rückte unter diesen misslichen Verhältnissen nur langsam näher. Doch plötzlich kam Leben auf und unser erster Demolauf im Regen stand kurz bevor. Das missliche Wetter motivierte keine Fotografen und auch meine Kamera blieb unangerührt. Es ist schon eine Weile her, als ich meine Regenreifen das letzte Mal montiert hatte und hoffte, dass alles funktionierte. Am Vorstart stellte ich fest, dass sich in unserem Feld „fremde“ Fahrzeuge befanden – also Autos neueren Datums. Ich überlegte mir ernsthaft auf den Start zu verzichten, denn ein Blechschaden im letzten Einsatz der Saison wäre für mich schwer verdaulich  – zu spät: der Streckenchef brachte uns an den Start. Diesen Lauf absolvierte ich verhalten und ein Auge war immer auf den Rückspiegel gerichtet, um nicht überrascht zu werden. Die jungen Oldtimer tankten sich förmlich durch unser Feld und ich war erleichtert, als dieser ungleiche Kampf unfallfrei zu Ende ging. Mein Entschluss keine Kamera mit zu führen war richtig, denn anstatt des Fahrzeuges vor mir, hätte ich nur seine Gischtwolke gefilmt. Unser Feld „Kampf der Zwerge“ setzte den Schlusspunkt am Samstag und uns blieb nur wenig Zeit bis zum Nachtessen, das auf 19:00 Uhr terminiert war. Begrüssungen, Ehrungen und dankende Wort des Veranstalters waren Pflicht und anschliessend wurde das Buffet eröffnet. Das typisch schweizerische Menü (Gehacktes mit Hörnli, Apfelmus und Salat) kam gut an, doch leider trieb das unfreundliche und kühle Wetter viele Leute früh in ihre warmen „Höhlen“ zurück.

Am Sonntag erwartete uns wettermässig eine andere Veranstaltung: ohne Regen, bewölkt mit sonnigen Abschnitten. Jedoch der kühle Wind sorgte dafür, dass kein Übermut aufkam. Ich traf frühzeitig im Fahrerlager ein, da die Regenreifen den Sliks weichen mussten. Anschliessend reinigte ich meinen Rennprinz vom ärgsten Schmutz vom Samstag, platzierte die GoPro Kamera im Innenraum und dann schlüpfte ich in meinen Renndress. Ich informierte die beiden anderen NSU Piloten Fredy Schläpfer und Ferdi Rast, dass ich die Kamera montiert habe und sie filmen möchte. Bereits am Vorstart aktivierte ich meine Kamera, um dem Betrachter den gesamten Ablauf zu zeigen. Bei idealem Rennwetter absolvierte unser „gesäubertes“ Feld den zweiten Demolauf und die Stimmung war unbeschreiblich. Es wurde nicht auf der letzten Rille gefahren, aber zum Blumenpflücken war das Tempo dennoch zu hoch. Auf der Auslaufrunde war die Begeisterung der Zuschauer nicht zu übersehen und bewies, dass wir auf der Strecke das geboten haben was sie sehen wollten – ein Spiessrutenlaufen der Gefühle. Obwohl unser Fahrerlager etwas abseits lag, fanden viele Zuschauer den Weg zu uns und schwärmten von alten Zeiten.  Ich fühlte mich irgendwie entschleunigt und genoss diesen seltenen Zustand bis in die Zehenspitze. Mit knurrendem Magen und trockener Kehle suchte ich das Restaurant auf, um diesem Zustand ein Ende zu setzen. Laufend besuchten mich Zuschauer und Teilnehmer und wollten einen Blick unter die Motorhaube werfen, um sich anschliessend lobend zu äussern zum Sound von meinem roten „Schreihals“. Vor unserem letzten Auftritt packte ich das Zelt zusammen, um nach dem Lauf keine Zeit zu verlieren. Pünktlich stand unser Feld am Vorstart und ich informierte alle Fahrer über mein Vorhaben, das ganze Feld zu filmen. Zu diesem Zweck hatte ich die Kamera (zum ersten Mal) ausserhalb, mittels Saugnapf, an der linken hinteren Seitenscheibe montiert – natürlich war die Kamera nach hinten gerichtet. Alle waren begeistert und ich hoffte, dass Saugnapf und Kamera ihre Funktionen zuverlässig erfüllen. Ich führte das Feld an den Start, verliess meinen Renner um die Kamera zu aktivieren und machte mich anschliessend startklar – hinter mir der optimierte Alfa 2000 von Raymond Schnüriger. Alles verlief nach Plan und als 3 Runden vor Schluss der letzte Teilnehmer im Feld mich überholt hatte, filmte ich eine leere Strecke. Nun gab ich meinem Prinz die Sporen und kämpfte mich zurück ins Feld und passierte anschliessend die Zielflagge.

Alle Zwerge waren zufrieden und warfen symbolisch ihre Zipfelmützen in die Luft!
Eine tolle Veranstaltung ging unfallfrei zu Ende und alle werden bleibende Erinnerung nach Hause nehmen.

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NSU unter sich          http://www.youtube.com/watch?v=UxZdfG5H5Ms&feature=g-upl
Kampf der Zwerge    http://www.youtube.com/watch?v=qMpLpEB29BY&feature=relmfu