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Von der Max-Kabine zum Prinz

Dieser Bericht wurde mir freundlicherweise vom Autor Roland Reimold, Bad Homburg zur Verfügung gestellt.

1953 war wieder ein sehr erfolgreiches NSU-Jahr gewesen, fast 1000 Zweiräder konnten täglich produziert und verkauft werden. Aber die Verantwortlichen bei NSU blickten nicht ganz sorgenfrei in die Zukunft. Wie lange noch würde das Exportgeschäft den rückläufigen Inlandsmarkt für Motorräder kompensieren können ? Die Kunden hatten inzwischen etwas mehr Geld in der Brieftasche und wollten lieber ein noch so bescheidenes Autodach über dem Kopf als ein schnelles Motorrad. Der Wiedereinstieg in das Autogeschäft erschien unumgänglich.

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Und so wurde 1953 begonnen, an einem Sperrholzgerippe für einen Kleinwagen zu zimmern. Dieses Gebilde wurde zunächst als "Max-Kabine" bezeichnet, es lag ganz im Trend der damaligen Kabinenroller, siehe Bilder 1 und 2. Der 250 ccm Viertaktmotor des Motorrads NSU Max sollte ein einzelnes Hinterrad antreiben. Ein 1:1 Modell dieses Dreiradgefährts konnte noch Ende 1953 fertiggestellt werden. Der Max-Kabine sollte jedoch kein Erfolg beschieden sein, denn nach einer missglückten Vorführung des Vehikels im Heilbronner Wald mit Mitgliedern des Aufsichtrats wurde das Konzept für untauglich befunden und nicht weiterverfolgt.

Etwas Gutes hatte dieser Fehlstart aber doch denn jetzt beschloss der Vorstand die Entwicklung eines vollwertigen, vierrädrigen Kleinwagens in Ganzstahlausführung. Der Max-Motor in der 300 ccm-Ausführung wurde zunächst noch beibehalten, er erwies sich aber bald als wenig geeignet und wurde durch eine Zweizylinder-Neukonstruktion mit 583 ccm Hubraum ersetzt. Auch diese Konstruktion hatte manche Gemeinsamkeit mit dem Max-Motorradmotor, so wurde der bewährte Schubstangen-Nockenwellenantrieb beibehalten. Die luftgekühlte Maschine leistete 20 PS und hatte ein integriertes Vierganggetriebe.

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Die Karosserieform bereitete einiges Kopfzerbrechen. Während die Frontpartie in ihrer endgültigen Form schon recht früh festlag (Bild 3), erinnerte das zusammenlaufende Heck mit den herumgezogenen hinteren Scheiben immer noch an die Dreirad-Kabine und wurde mehrfach überarbeitet (Bild 4). Schliesslich wurde das stilistisch etwas misslungene Hinterteil doch noch in eine elegantere Form gebracht. Bild 5 zeigt die endgültige Ausführung.

Zum ersten Mal seit der Übergabe der Automobilproduktion an Fiat im Jahre 1929 stellte NSU wieder ein vierrädriges Produkt her. Dies führte auch prompt zum Einspruch Fiats, da man NSU die Verwendung des eigenen Firmennamens für ein Automobil verbieten wollte. So stand der auf den Namen "Prinz" getaufte Wagen auf der IAA 1957 in Frankfurt ohne Familienname da. Der Streit konnte aber auf dem Vergleichswege beigelegt werden so dass aus dem "Prinz" doch noch ein "NSU Prinz" wurde.